Kirchengemeinde St. Vitus, Lathen

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Der heilige Vitus

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1.VitusWer die Kirche betritt, kann an einem Pfeiler eine Statue sehen, die einen jungen Mann erkennen läßt, der in seiner rechten Hand ein Modell der Lathener Kirche aus der Zeit vor dem Umbau 1881 trägt. Die um das Jahr 1800 geschnitzte Figur stellt den Schutzpatron der Kirche dar: der Heilige Vitus. Doch wer war der Heilige Vitus?

Der Heilige Vitus gilt als frühchristlicher Märtyrer. Was die historische Person des Vitus anbelangt, ist lediglich gesichert, dass zur Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian im Jahre 303 zu Mazzaria auf Sizilien Vitus, ein junger Mann aus einer angesehenen Familie der Insel, als Anhänger des Christentums und somit als Staatsfeind, gefoltert und getötet wurde.

Der Legende nach wurde Vitus als Sohn des römischen Senators Hylas in Mazzara (dem heutigen Mazara des Vallo) auf Sizilien geboren. Seine Amme Crescentia und sein Erzieher Modestus, beide Christen, bekehren den Jungen zum Christentum. Der heidnische Vater des Vitus versucht vergeblich seinen Sohn von dem neuen, als staatsfeindlich eingestuften Religion abzubringen. Knechten, die Vitus schlagen, verdorren die Arme, worauf Vitus betet und sie heilt. Der Vater lässt ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen einschließen, die ihn verführen sollen. Als er seinen Sohn dabei durchs Schlüsselloch beobachtet, sieht er ihn von sieben Engeln umgeben und wird blind. Das Gebet des Sohnes heilt ihn. Dennoch trachtet der Vater ihm nach dem Leben. Vitus

Ein Engel veranlasst Vitus mit seinem Lehrer und seiner Amme vor weiterer Verfolgung mit einem Schiff nach Lukanien zu fliehen. Ein Adler versorgt die Fliehenden während der Überfahrt mit Brot. Vitus und seine Begleiter werden entdeckt und zu Kaiser Diokletian gebracht, dessen besessenen Sohn er heilt. Trotzdem werden die Drei in den Kerker geworfen und gefoltert. Vitus überlebt viele Martyrien durch Wunder: Er übersteht unversehrt ein Bad in siedendem Öl, nach anderen Überlieferungen auch in Blei, Pech oder Harz. Und er zähmt durch das Kreuzzeichen die Löwen, denen er zum Fraß vorgeworfen wird. Als Vitus, Modestus und Csecentia auf die Folterbank gespannt werden, bricht ein Erdbeben aus, das die Tempel einstürzen lässt und die Folterknechte und viele weitere Menschen erschlägt. Engel lösen die Fesseln der standhaften Christen und tragen sie nach Lukanien an das Ufer des Flusses Sele, wo sie ruhen und betend ihr Leben aushauchen. Adler bewachen ihre Leiber, bis die fromme Witwe Florentia sie findet und bestattet. Diese Ereignisse datiert man um das Jahr 304.

Vitus wurde bereits im 7. Jahrhundert als Heiliger verehrt. Seine Reliquien werden 583 von Sizilien nach Lukanien in Unteritalien gebracht. 836 werden die Gebeine aus St. Denis in das neugegründete Kloster nach Corvey übertragen. Als Patron von Corvey wird St. Vitus auch Kirchenpatron der Lathener Pfarrkirche.

Vitus (deutsche Form Veit) gilt als beliebter und volkstümlicher Heiliger. So wurde er zum Heiligen der Sachsen und damit von Niedersachsen und vieler anderer Orte, der Jugendlichen, der Gastwirte und Apotheker, der Bergleute und Kupferschmiede, der Schauspieler und Soldaten, sowie der Bierbrauer und Winzer.

Die kath. Kirche feiert den Gedenktag des Hl. Vitus am 15. Juni. Möglicherweise weil dieser Gedenktag um die Sonnenwende liegt, knüpft sich viel Volksfrömmigkeit an unseren Heiligen: Er hilft bei Unwetter, Blitz und Feuersgefahr und sorgt für die Haustiere, für eine gute Saat und eine gute Ernte. Dies zeigt sich auch anhand zahlreicher Bauernregeln: „Nach St. Veit wendet sich die Zeit.“ – „Regnet’s an St. Veit, Gerste nicht leid’s.“

IMG_8323Fresken unter der Gewölbedecke im Altarraum. Sie zeigen die Dornenkrönung Jesu, die Krönung Marias sowie eine Darstellung des Heiligen Johannes des Täufers und des Kirchenpatrons St. Vitus. Die Fresken sind vermutlich so alt wie die Kirche selbst, also aus dem 16. Jahrhundert.